Die erste BLUE-Reise - Start in Riga - das Training in Valga - der Abschluss in Tallinn

Lernen in Estland

Bild 1.jpg.9Estland als eines der BLUE-Reiseziele – das klang für mich gleich spannend: ein kleines Land im Norden und noch gar nicht so lange Teil von Europa, über das ich wenig wusste und welches ich mir vermutlich nicht so ohne weiteres zum Urlaubsziel ausgesucht hätte.

Bei näherer Beschäftigung mit dem Reiseziel wurde es dann immer reizvoller, neue Erkenntnisse zum Thema „Lehren und Lernen im Zeitalter der Digitalisierung“, in dem unsere deutsche Bildungslandschaft immer noch nicht richtig angekommen scheint, in einem Land zu vertiefen, das uns ganz offensichtlich im Verlauf seiner so kurzen europäischen Geschichte in diesem Bereich um ein gutes Stück weit überholt hat.

Und tatsächlich – auch wenn das Valga Vocational Training Centre sicherlich ein Vorzeigeprojekt ist, so war es eine beeindruckende Erfahrung, hier beispielhaft zu sehen welche Wertschätzung Bildung und Lehre in diesem Land erfährt. Schon von außen fielen bei unseren Fahrten durch die Umgebung von Valga und nach Tallinn oft die frisch renovierten oder neu gebauten Schul- und Universitätsgebäude auf. Von der Ausstattung des Valga Vocational Training Centre, aber auch von der Betreuung der Lehrkräfte, die in den modernsten Methoden im Bereich des Blended- und E-Learning bestmöglich geschult werden, können wir hier jedenfalls nur träumen. Mit Stolz wurde uns dies alles vorgeführt. Die Begeisterung unserer IT-Lehrerin Eva wirkte ansteckend, und anfangs fühlten wir uns wohl alle etwas verloren zwischen den schier unzähligen Tools, Apps und Lernplattformen, zwischen Registrierungen, Passwörtern und schnell kreierten Testdurchläufen, die hier schon Tagesgeschäft des Unterrichtens sind. Mit einer für uns ungewohnten Sorglosigkeit wurde im Internet gesurft, Tablets (die hier tatsächlich wagenweise zur Verfügung stehen) eingesetzt, 3D-Kamera, Drohne oder Virtual-Reality-Brille ausprobiert. Da wirkt das Handy-Verbot an deutschen Schulen schon sehr verkrampft. Gerade mit dem Einsatz der vielfältigen Methoden, die digitales Lernen bietet, gelingt die Individualisierung des Lernens, rückt der einzelne Schüler ins Zentrum, was ja ein großes Manko unseres Bildungssystems ist.                            

Eines ist klar – der Umgang mit diesen Medien und der Einsatz dieser neuen Methoden verlangt Übung. Aber zum Ende der Seminarwoche agierten wir schon ein ganzes Stück beherzter und vertrauter.

Bild 2 klein.jpg.16Der Besuch bei den beiden Stiftungen HITSA und Innove in Tallinn am Ende der Reise, die mit staatlicher Unterstützung die Schulung der digitalen Kompetenzen des Lehr- und Erziehungspersonals in Estland, der Institutionalisierung von IT in der Lehre und im Lernen, sowie die Einrichtung und Betreuung der zugehörigen Informationssysteme und digitalen Netzwerke zur Aufgabe haben, führte noch einmal vor Augen, welchen Stellenwert diese Themen in der Bildungspolitik des Landes einnehmen und wo wir hier in Deutschland noch Nachholbedarf haben.

„If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together” – dieses afrikanische Sprichwort hatte Eva an den Beginn unseres Seminars gestellt. Und ich möchte es am Schluss meines kleinen Beitrags nicht nur auf die Weitergabe des im Seminar Gelernten, an die Lehrkräfte, Kolleginnen und Kollegen unserer vhs-Landschaft im Besonderen und die deutsche Bildungslandschaft im Allgemeinen beziehen.

Im Verlauf unseres Aufenthaltes, der Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung von Valga unter Führung und Begleitung von Rainer, unserem estnischen Betreuer, wurde auch klar, wie wichtig für Estland die europäische Unterstützung und Anerkennung ist – nicht nur zum Erhalt der politischen Unabhängigkeit, auch, was den sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt betrifft. Rainer war der hart verdiente Platz seines Landes in der europäischen Welt eine Herzensangelegenheit - auch das habe ich von der Reise mitgenommen.

So war diese Bildungsreise für mich eine absolut runde Sache und hat meinen Horizont um ein wertvolles Stück erweitert. Ein großes Dankeschön an den bvv und an Erasmus+, die mir diese Erfahrung ermöglicht haben!

Susanne Kuffer

Ankommen im 21. Jahrhundert

Winterstein_Besuch_HITSA_Graab.jpgFünf Tage gewährte uns das BLUE-Projekt geballte Einsicht, wie Unterricht im 21. Jahrhundert aussehen und gestaltet werden kann: Digital unterstützt und vermittelt durch höchst motivierte Lehrer.

Das Vocational Training Centre Valga bietet Jugendlichen über mehrere Jahre hinweg berufliche Orientierung und vermittelt theoretisches und praktisches Fachwissen. In allen Bereichen werden digitale Lernwelten zum Einsatz gebracht. Die HauswirtschaftsschülerInnen können während des Kochunterrichts schnell auf Rezepte zurück greifen - natürlich auf an den Wänden befestigten Tablets. Tests, Übungen, Lerninhalte werden digital aufbereitet und finden so schneller ihren Weg zu den in der digitalen Welt verankerten jungen Menschen.

Notwendig hierzu sind Lehrkräfte, die selbst ein ausgesprochenes Faible für die Möglichkeiten der digitalen Wissensvermittlung besitzen, technisches Equipment und Personal, das sich um die Betreuung der technischen Ausstattung kümmert und die Lehrkräfte bei der Gestaltung des Unterrichts oder bei Problemen mit Soft- und Hardware unterstützt.

Erstaunlich war die Begeisterung, mit der unsere Dozentin Eva von ihrer Arbeit als Lehrerin berichtete und die Ideenvielfalt, die ihre Unterrichtsgestaltung auszeichnete. Klar war immer, dass das Zugehen auf die jungen Menschen und deren Förderung auf möglichst vielfältigen Wegen im Mittelpunkt einer jeden Erziehungspolitik stehen sollte. Etwas schmerzlich wurde dabei der Unterschied zu der Berufseinstellung vieler Lehrer in Deutschland deutlich. Sowohl die Einstellung gegenüber den Jugendlichen, als auch der Wille, sich die Möglichkeiten der digitalen Welt zunutze zu machen, um Schüler besser erreichen oder ihnen das Lernen erleichtern zu können, sind im Vergleich zu estnischen Pädagogen oft von einer grundlegend ablehnenden Haltung geprägt. Schade, wenn man sieht, wie sehr sich die Investition in die Jugend lohnt, oder wie Eva es sehr schön auf einen Punkt brachte: "You give us the money, we give you the brain." Wertschätzung gegenüber den Schülern, gegenüber der Europäischen Union als Geldgeberin und Ermöglicherin dieses zukunftsweisenden Unterrichtsstils und gegenüber allen, die im Bereich der Bildung arbeiten, prägte auffällig die Atmosphäre am Training Centre.

Dieses Wohlwollen erreichte auch uns als Gruppe, der an fünf Tagen von Eva Programme vorgestellt wurden, mit denen Unterrichtsinhalte digital aufbereitet werden können. Sehr viel Spaß machte die Einführung in die digitalen Lernwelten; sehr geduldig war Eva mit unseren noch sehr analog arbeitenden Hirnen; sehr zuvorkommend waren alle Angestellten der Schulen - angefangen bei den Mitarbeitern der Schulkantine, die unsere Pausen immer liebevoll gestalteten, bis zu den Reinigungskräften. Hürden wurden überwunden; Berührungsängste abgebaut - und bis dahin noch sehr ferne Bestandteile der schönen neuen Welt rückten ganz nahe: Drohnen, Filmproduktion, digitale Schnitzeljagden... Dinge, deren Existenz man vorher eventuell erahnte, wurden greifbar und sogar Bestandteil des eigenen (Arbeits-) Alltags.

Rainer war für unser Wohlergehen außerhalb des Unterrichtsgeschehens verantwortlich - und dieser Verantwortung kam er mit größter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt nach. Quer durch Valga und schließlich durch Estland führte uns seine Fürsorge, so dass wir möglichst viele Seiten dieses kleinen baltischen Landes sehen und erleben konnten. Schließlich ermöglichte er uns sogar den Besuch des HITSA-Institutes und der Innove-Stiftung in Tallinn - beides Institutionen, die in ihrer Zielvorgabe, das pädagogische Personal des Landes bestmöglich weiterzubilden, zu fördern und zu unterstützen ihresgleichen suchen.

Vollgepackt war diese Woche - faszinierend, lehrreich, inspirierend. Etwas von der Motivation und der Begeisterung des kleinen Landes im Baltikum bezüglich den neuen digitalen Möglichkeiten und deren Einsatz im Bildungswesen mit nach Hause nehmen zu können: Das wäre toll.

Petra Winterstein

Estland - modern und menschlich

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Estland, das Land mit der höchsten Digitalisierungsrate Europas, hat uns warmherzig und offen empfangen. Beim ersten Anblick der Valga Vocational School dachte man noch an ein leicht verunglücktes Design-Experiment aus den 80er-Jahren, bis einem doch klar wurde, wenn etwas in Estland “80er” ist, dann ist das die baufällige sozialistische Infrastruktur der untergegangenen Sowjetunion. Nein, bei den Wabenstrukturen in braun, gelb und orange handelte es sich um die modernste Schule, die auch wir Deutschen je zu Gesicht bekamen. Hier in Estland wird das Fördergeld der EU in die Bildung gesteckt. Mögen die Gebäude um die Schule herum verfallen, mögen auch riesige “Alko-Stores” und “Super-Alko-Stores” in Reihen direkt daneben entstehen, und das Klischee des permanent sich im Wodkarausch befindlichen Balten bedienen – die Schule sticht als leuchtendes Element der humanen Bildung heraus.

Bild 3 klein.jpg.14Unsere Lehrerin Eva empfing uns zudem mit einer solch eruptiven Form von Energie und Freude am Lehren und Lernen (sie war vor ein paar Jahren “Teacher of the year” in Estland, wie sie uns stolz erzählte, und wir glaubten ihr das sofort), dass wir uns dem kaum entziehen konnten. So prasselten viele verschiedene Eindrücke in kurzer Zeit auf uns ein, die schwer miteinander zu vereinbaren schienen, die aber eine starke Faszination entwickelten.

Bild 2.jpg.4Das Ausprobieren der modernen Techniken für den Unterricht hat am meisten Eindruck hinterlassen. Drohnen fliegen lernen und damit Videos drehen, mit 360°-Kameras spielen, Tablets für jeden Gebrauch im Unterricht oder auf dem Gelände zum selbst programmierten Spiel benutzen (solange man dabei bei arktischen Winden nicht seine Finger gänzlich erfror) oder eine halsbrecherische Achterbahnfahrt mit einer VR-Brille zu testen – das war für den deutschen Pädagogen doch sehr viel auf einmal. Sehr interessant war die unterschiedliche menschliche Reaktion auf die virtuelle Realität, von der VR-Brille direkt ins Gehirn gefeuert. Während die eine Gruppe sich nur laut ächzend, Füße stampfend und Hände verkrampft an Tisch oder Nebenmann oder -frau haltend sich durch die Fahrt retten konnte, und anschließend Schwindel und Übelkeit unterdrücken musste, blieb die andere Gruppe mucksmäuschenstill und regungslos sitzen, ohne ein erkennbares Anzeichen menschlicher Regung.

Die erlernten Programme und Apps waren sehr auch interessant kennenzulernen (z.B. Jotform, Activebound, Padlet).

Silvia Engelhardt

Immer wieder neu und überraschend!

EST_HeinzTischler_cg01.jpgObwohl ich diese kleine, innovative Land jetzt schon zum fünften Mal - u.a. auch im Rahmen von Projekten mit unserem BLUE-Gastgeber VKOK in Valga (= Berufsbildungszentrum des Landkreises Valgaama ) - besuchen durfte, erwarteten auch mich wieder neue und spannende Erfahrungen.

Estland war und ist für mich seit meinem ersten Besuch vor fast zehn Jahren beispielgebend als Vorreiter der Umsetzung der sich sukzessive entwickelnden digitalen Möglichkeiten in die meisten Lebensbereiche: Verwaltung, Politik, Wirtschaft, aber auch und vor allem stringent durch alle Bildungsbereiche. Als eines der wenigen Länder hat Estland die durch den Beitritt zur Europäischen Union zur Verfügung stehenden Mittel konsequent für Investitionen in die (digitale) Infrastruktur genutzt.

Damit war auch die Grundlage für innovative Bildungskonzepte geschaffen, die allerdings nicht - wie in Deutschland (und Bayern) leider allzu oft - als Pilotprojekte oder "Leuchttürme" alleine standen (und oft genug dabei stehen blieben), sondern von Beginn an in starke und permanente Rahmenstrukturen eingebettet wurden, wie sich die Gruppe bei den Besuchen der beiden Stiftungen (!) Innove und Hitsa erläutern lassen konnte.

Die Heranführung von uns meist bestenfalls digital "Halbgebildeten" wurde von der VKOK-Lehrkraft (eigentlich "educational technologist") Eva mit einem Elan und einer Begeisterung angegangen, dass wir uns zwar gerne mitreissen ließen von all den Möglichkeiten, die digital basiertes Lehren und Lernen bieten, wir aber oft auch schnell an unsere Grenzen stießen ob des doch sehr fordernden Tempos und der Fülle an vorgestellten Lernplattformen, games etc.. Trotzdem boten die verschiedenen Schulungsinhalte soviel neue Anregungen für eigenes Weiterlernen und intensivere Beschäftigung für die für die eigene Praxis relevanten Medien, dass der Besuch in Estland wieder in jeder Hinsicht als Erfolg zu werten ist.

Dazu trug neben dem Inhaltlichen sicher auch das "Drumrum", das Ambiente dieser außergewöhnlichen Schule, die hervorragende Betreuung durch unseren Gastgeber Rainer (als Verantwortlichem für internationale Projekte), sowie das Rahmenprogramm bei, das einen, wenn auch sehr kleinen, positiven Eindruck von Land und Leuten vermittelte.

Alles in allem eine gelungene Auftaktveranstaltung für das Blue-Projekt des bvv, dem hier auch Dank zu sagen ist (namentlich Claudia Graab) für die Antragstellung und die hervorragende Vorbereitung.

Heinz Tischler

Lernkultur in Estland - spielerisch, vernetzt, digital

BLUE_Estland_Gruppenfoto_kl.jpgVon Europäern lernen: Estland hat sich europaweit als innovativer Bildungsstandort profiliert. Mit offenen Konzepten antwortet Estland auf die drängenden Fragen, die sich durch die Digitalisierung an die Gesellschaft und somit auch an die Schulen stellen. Von der Grundschule, über die Universität bis zum Erwachsenenbildungszentrum werden digitale Elemente in den Schulbetrieb eingebunden. Es gibt keinerlei Berührungsängste. Es herrscht offener Umgang mit den digitalen Werkzeugen und der inklusiven WLAN-Nutzung im ganzen Land. Ist Deutschland in punkto Digitalisierung Entwicklungsland? Nein, aber wir müssen definitiv aufholen und offener sein für die aktive Einbeziehung digitaler Elemente in unser Leben, in unsere Schulen, in unseren Alltag und dafür auch das nötige Geld in die Hand nehmen.

BLUE-Gruppe_Riga.jpgDie erste Reisegruppe im Projekt „BLUE – Blended Learning Usability Experience“, hatte die Möglichkeit genau diese Nutzungserfahrung mit digitalen Formaten in Estland zu machen. Treffpunkt der BLUE´ler war aber erstmal die Stadt Riga im benachbarten Lettland. Das liegt näher am Trainingsstandort Valga, der im tiefsten Süden von Estland an der lettischen Grenze zu finden ist. Natürlich nutzte die kulturell interessierte Gruppe den Tag in Riga dazu, um ihre ersten Schritte ins Baltikum zu wagen. Rainer Kuutma, der Leiter der Internationalen Projekte unseres Bildungspartners in Estland war unser Ansprechpartner und Reiseführer zugleich. Er hat sich rührend um uns gekümmert und uns all die Plätze, Orte, Schulen, Museen und kulturellen Einrichtungen gezeigt, die man gesehen haben muss auf diesem Fleckchen Erde. Nach der Erkundung der Stadt Riga ging es mit dem Bus weiter über die Grenze nach Estland. Das flache Land ist von Süd bis Nord gesäumt mit Wald und Moor.

BLUE_Estland_Klassenzimmer.jpgAm Montag lernten wir dann unseren Trainingsstandort für die kommenden Tage kennen: das Valga County Vocational Training Centre (vkok). Die Gebäudefassade dieser Berufsschule erinnerte stark an einen Bienenstock mit gelb-braunen Waben als Fenster. Sinnbildlich kann man das auf die fleißigen Bienchen im Inneren des Lernortes übertragen. Der Headmaster der Schule, Margus Ojaots, empfing uns herzlich und wünschte uns eine spannende Zeit, die wir dann auch unter der Leitung unserer Lehrerin Eva Tšepurko hatten. In perfekt ausgerüsteten EDV-Räumen starteten wir in unser Training mit folgenden Modulen: „Classrooms go paperless“, “virtual learning platform in the 21st century”, “personalized learning with tablets“, group work online“, um die wichtigsten zu nennen.

kfz_vkok.jpgDie Berufsschule ist sehr erfolgreich und erfahren mit online-gestütztem Unterricht. Einheimische und Austauschschüler bereiten sich gemeinsam auf ihren zukünftigen Beruf vor. In jedem Fach werden digitale Tools, Apps, Gadgets und Programme eingesetzt, um das Lernen und Lehren auf die digitale Dimension zu erweitern. Die Kochschüler erhalten zum Beispiel Unterstützung für Rezepte über ihr Tablet, welches sie per Sprachassistenten bedienen, damit nichts schmutzig wird. Die KFZ-Mechaniker messen die Autos durch und schreiben an Testprogrammen für neue Verfahren und vieles mehr.

Drohne2_kl.jpgDie BLUE-Gruppe hatte das Glück die als „best teacher oft the year“-preisgekrönte Lehrerin Eva Tšepurko als Trainerin zu bekommen. Eva gab uns Einblick in virtuelle Lernplattformen, Learning Apps, Lernen mit Tablets, Gruppenarbeit online und in die neueste Technik. Wir drehten Kurzfilme, wir durften eine Drohne über die Wälder von Valga fliegen lassen, sind per Virtual-Reality-Brille eine Achterbahn heruntergesaust, haben 3D-Drucker kennengelernt und haben die estländische Kultur hautnah erlebt.

Die Stunden nach Ende des TrainingDrohne3_kl.jpgs waren gut gefüllt mit unterschiedlichen Aktivitäten. So besuchten wir in der estländischen Stadt Tartu das Wissenschaftszentrum AHHAA. Dieses bietet sowohl Wissenschaft, spannende Beschäftigungen, Abenteuer als auch angEnergier.jpgenehme Unterhaltung. Dort gibt es Technik zum Anfassen, Selbstausprobieren und Erleben. Im Wissenschaftstheater wurde uns ein chemischer Versuch gezeigt, wir konnten ein 4D Kino besuchen und digitale Instrumente testen. In Valga selbst sahen wir die Altstadt und die Patriotic Education Exposition. Dabei drehten wir in einem Helikopter eine virtuelle Runde über die Stadt Valga. Um die Verbindung zwischen der baltischen und der deutschen Kultur aufzuzSangasteCastle.jpgeigen, besuchten wir das Sangaste Castle (deutsch: Schloss Sagnitz). Die Adelsfamilie die dort einst residierte hatte auch deutsche Wurzeln. Besonders stolz sind die Estländer auf ihre Erfolge im Wintersport. Otepää heißt der Ort an dem die Trainingshochburg des Landes angesiedelt ist. Bei eisigen Temperaturen konnten wir ein paar tapfere Sportler beim Training beobachten.

Tallinn.jpg.1Am Freitag gegen Ende des BLUE-Trainings reiste die Gruppe gemeinsam weiter in die Hauptstadt Tallinn, um dort der Bildungslandschaft Estlands systemisch auf den Grund zu gehen. Wir besuchten die Stiftung INNOVE. Sie wurde 2003 von der estnischen Regierung gegründet und untersteht dem Bildungs- und Forschungsministerium. Die Stiftung entwickelt Programme für das lebenslange Lernen, verwaltet die Strukturhilfe der EU, die zu großem Teil in Bildung investiert wird und berät die Schulen des Landes konzeptionell. Nach diesem spannenden Einblick leWalle_Keller.jpg.1rnten wir noch die Stiftung für Informationstechnologie HITSA kennen. Aufgabe der Stiftung ist es, dafür zu sorgen, dass die Absolventen aller Bildungsabschlüsse beim Lernen und Lehren die digitalen Kenntnisse und Fähigkeiten erhalten, die notwendig für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Estlands sind. Krönender Abschluss war das Sightseeing durch die wunderschöne Hauptstadt Tallinn. Wie ein buntes Juwel liegt sie am Finnischen Meerbusen mit Wahrzeichen wie der Alexander-Newski-Kathedrale, deren Innenleben genauso schön ist wie ihr Äußeres.

Times_Tallinn.jpgWir haben sehr viel gelernt über das Land, seine Kultur und über die Einsetzbarkeit digitaler Elemente im Klassenzimmer. Die erste BLUE-Gruppe hatte gemeinsam eine „Usability Experience“ die ich absolut weiter empfehlen kann.

Claudia Graab

Inspired by Estonia

EST_Schön_Graab.jpgBesonders beeindruckt hat mich die inspierende Lernumgebung, die die Vocational School in Valga ganz selbstverständlich darstellt. Viel Licht, sonnendurchfluteter Innenbereich mit Glasdach, auf dem der Schnee glitzert, anregende Farbgebung in Orange, Gelb und Weiß, große Fensterfronten in die Klassenzimmer, beruhigend wirkende Wabenformen.

Hierher kommt man gerne zum Arbeiten und Lernen. Hier wird man - zumal besonders als Gast - sehr freundlich begrüßt, nicht nur von den Formen un Farben, sondern auch von den Menschen. Die Umgebung scheint auf die Menschen abzustrahlen. Was ein Unterschied zu den meisten Schulen in Deutschland!

Dabei haben wir noch gar nicht von den technischen und digitalen Möglichkeiten gesprochen, die die Schule dem Lerner anbietet. Verblüffend war das mobile digitale Klassenzimmer - es kann sich nämlich immer dorthin bewegen, wo es gebraucht wird. Es ist nicht auf einen Raum beschränkt. Man kann schnell damit umziehen. Die leicht laufenden und farbenfrohen Stühle auf Rollen sind mit eigenem Tisch in alle Richtungen bewegbar. In wenigen Sekunden können neue Gruppen gebildet werden. Und wieder umgebaut werden. Spielerisch veranlagte Schüler können sich damit bewegen, ohne den Unterricht groß zu stören. Bewegung hat hier Methode. Und mit Bewegung denkt es sich leichter, wie wir aus der Hirnforschung wissen. Mit den Tablets aus dem Tabletwagen kann jeder sofort mit dem entsprechenden Gerät arbeiten. Die Lehrkraft projiziert den Inhalt auf das Smartboard. Kreativität kann sich jederzeit und frei entfalten. Das macht Spaß! Lernen macht plötzlich richtig Spaß. Und der Stoff bleibt sitzen. Ich habe es ja alles selbst ausprobiert. Kein stures Starren auf einen einschläfernden Vortrag. Jeder erarbeitet hier seine eigene Lösung. 

So stelle ich mir die ideale VHS vor. Freundlich, inspirierend, einladend, neugierig machend, entspannend und aufregend zugleich. Offene Formate, offener Austausch, freie Kommunikation, Café in der Sonne, zwischendurch eine Lerneinheit in kreativer Atmosphäre. Estland hat mich beeindruckt.

 Joachim Schön

Neugierig hat mich der Lernort Estland gemacht

EST_Weidekamm_Rausch_cgjpg.jpg.1BLUE bedeutet Blended Learning Usability Experience und ist ein Mobilitätsprojekt des Bayerischen Volkshochschulverbandes zur Erweiterung der Online- und Medienkompetenz des Leitungs- und Bildungspersonals an den bayerischen Volkshochschulen. 

Diese Ausschreibung hat mich sehr neugierig gemacht. Neugierig hat mich aber auch der Lernort Estland gemacht.

Der Einsatz von digitalen Tools im Unterricht ist ein sehr wichtiges Thema, an dem in den nächsten Jahren sicher kein Kursleiter an der VHS mehr vorbeikommt. Die angekündigten Inhalte haben ein breites Spektrum an Informationen abgedeckt, so dass meine Entscheidung teilzunehmen sehr schnell gefallen ist.

Zu diesem Thema mehr in Estland zu erfahren, war zusätzlich spannend, weil Estland in diesem Hinblick ein sehr fortschrittliches Land ist. Die Schule, an der das Training stattfand, das Valga County  Vocational Centre, war für diese Fortbildung prädestiniert, da sowohl das Kollegium als auch die technische Ausstattung sehr fortschrittlich ist.

Die Dozentin Eva  Tšepurko   war in Estland schon“ Teacher of the Year“ und die Begeisterung und Kompetenz, mit der sie die Schulung durchgeführt hat, lässt einen leicht nachvollziehen, warum sie diese Auszeichnung erhalten hat.

Wir haben sowohl relativ einfache Apps kennengelernt mit denen die Rückmeldung der Schüler/innen im Unterricht einbezogen werden kann, aber auch Anwendungen, mit denen ganze Unterrichtseinheiten gestaltet werden können.

Dabei hatten wir immer ausreichend Zeit, um die vorgestellten Programme selber auszuprobieren und unsere Fragen zu stellen. Viel Spaß hatten wir mit der Film-App bei der wir selber zu Schauspielern wurden und softwareunterstützt einen richtigen Film produzieren konnten.

Dass die Unterrichtssprache Englisch war, hat die alten Englischkenntnisse wieder aufgefrischt und das Verstehen und Reden ist mir leichter gefallen als ich vorher befürchtet hatte.

Die Begegnung  mit Estland und den Estländern war eine wirkliche Bereicherung. Ich hatte Estland bisher gedanklich eher Russland als Europa zugeordnet und es war spannend zu entdecken, wie viele Gemeinsamkeiten bzw. Ähnlichkeiten Estland und Deutschland haben. Die Betreuung durch Rainer Kuutma vom Valga County Vocational Training Centre war sehr umfassend und engagiert. Nach dem Unterrichtsprogramm haben wir immer noch etwas unternommen und Land und Leute kennengelernt.

Der Austausch war nicht nur auf Estland beschränkt, sondern auch mit den anderen Kollegen aus den Bayerischen Volkshochschulen konnte…

Vielen Dank auch noch an unsere Kursleitung, Claudia Graab, die den Austausch so super vorbereitet hatte!

 Gabriele Weidenkamm-Rauscher

Estland - Was habe ich gelernt?

Tools, die im Unterricht Verwendung finden können

Ich habe in den vier Tagen ca. 15 Tools kennen gelernt, die in einem Sprachkurs angewendet werden können. Schon während des Seminars habe ich versucht herauszufiltern, was für mich brauchbar ist. Das waren "answer garden", da dies auch mit vorhandenen Handys in der Klasse gemacht werden kann. Dann gibt es "loquiz", wo man spielerisch mit Fragen lernen kann. Mit "lerningapps" kann man individuelle Übungen erstellen. Speziell für Tests, die ich dann genau auf die Bedürfnisse meiner Gruppenausrichten kann, fand ich "menti" und "classmarker".
Nun bin ich aber auch schon an einige Grenzen gestoßen:
> Zwar haben (fast) alle TN ein Handy, aber dann ist z. B. gerade kein Guthaben drauf. Und natürlich verführt es auch, mit dem Handy noch etwas anderes zu machen.
> Learning Apps und individuelle Tests zu erstellen ist super, kostet aber leider sehr viel Zeit. Gerade für Leute, die vom Honorar leben, das sie für ihre Kurse bekommen, gibt es einfach zeitliche Grenzen.
> Dazu kommt noch, dass es nicht immer einen EDV-Raum gibt.

Ein weiteres Tool, das ich kennen gelernt habe, ist "creative commons". Dort wurde uns gezeigt, wie man Bilder ohne Copyright finden kann, die man also in eigenen Präsentationen, Arbeitsblättern o. ä. verwenden kann. Als ich mich zu Hause noch einmal mit diesem Tool beschäftigt habe, bin ich darauf gestoßen, dass es da bei Weitem nicht nur Bilder gibt, sondern auch "freíe" Texte, u. a. auch viele Arbeitsblätter für den Sprachunterricht, die den Vermerk "kopieren erwünscht" tragen.
Für mich ist das momentan das Hilfreichste, was ich entdeckt habe.

Die Reise - Anreise nach Valga / Estland planen

Als die Information über die Fortbildung kam, habe ich erst mal die drei baltischen Staaten auseinandergetröselt, festgestellt, wo genau Estland liegt. Dann habe ich Valga gesucht - schien kein besonders erwähnenswerter Ort zu sein. Dann kam die Frage: Wollen die uns wirklich so in die Pampa schicken, oder habe ich den richtigen Ort noch gar nicht gefunden? Die nächste Frage war: Wie kommt man nach Valga? Es schien viel näher zu sein, über Estland (Riga) anzureisen als nach Tallinn (Estland) zu fliegen und sich von dort auf die Suche nach Valga zu machen. Am Ende sind wir ja dann so gut betreut worden, dass sich alle Probleme gelöst haben.

Was kann ich? Was habe ich gelernt?

Ich kann einen Anreise an einen Ort planen, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe. Ich habe eine für mich völlig neue "Ecke" von Europa kennengelernt. Durch die Begegnung mit den Leuten habe ich dies nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen getan. Ich habe z. B. viel von dem Lebensgefühl der Menschen mitbekommen:
> Die geografische Nähe zu Russland.
> Die eigene historische Erfahrung, in einen Land gelebt zu haben, das zwangsweise ein Teil der Sowjetunion war.

Vielen Dank an den bvv für die wunderbare Bildungsreise. Ich bewere mich gerne wieder auf ein BLUE-Training.

Dorothea Neudecker