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Das volle Programm - Kultur, Kulinarik und digitale Medien

Die Gruppe wurde sehr gut zusammengestellt und ich habe mich in der Konstellation von Anfang an sehr wohl gefühlt. Es gab interessante Gespräche mit Menschen von den unterschiedlichsten Institutionen und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen.

Digitale Medien und das Trainingszentrum

Das Trainingszentrum Valgamaa wurde von den Geldern der Europäischen Union finanziert und sieht von außen wie ein Bienenkorb aus. Aber im Trainingszentrum beschäftigt man sich nicht mit Bienenzucht, der Bienenkorb symbolisiert, dass man im Zentrum fleißig wie die Bienen arbeitet. Man kann im Zentrum acht verschiedene Berufe erlernen: Koch, Automechaniker, Tischler (Möbel) und Schreiner (eher für Fassaden und Häuser), Baarkeeper, Sozialarbeit… und den Rest habe ich vergessen. Eine Führung hat uns Rainer, unser Gastgeber, gegeben.

Ganz interessant war auch die Einführung über Estland am ersten Tag von Eva Tsepurko, unserer Referentin. Im Land wird der Internetzugang als Menschenrecht angesehen. Da das Land nur so klein ist mit nur 1,3 Millionen Einwohnern, gibt es Wi-Fi überall, sogar im Wald. Die Esten können online wählen und auch online Medikamente verschreiben lassen.

Valga beim SonnentuntergangTimea_Bild1_kl.jpg

Wir haben ganz am Anfang eine große Palette an Möglichkeiten für Online-Anwendungen vorgestellt bekommen. Die Bandbreite dieser war sehr ergiebig. Uns wurde sozusagen eine Werkzeugkiste in die Hand gelegt, aus der wir nach Lust und Laune Tools herausnehmen und testen können. Auch die Angst wurde uns genommen, diese Tools anzuwenden, denn es wurde ganz viel gleich im Klassenzimmer ausprobiert und fast alles hat auch funktioniert. Das war ein richtiges Erfolgserlebnis, wenn man etwas selbstständig erstellt hat. z.B. ein Kurzvideo. Auch Tipps zu Anwendungsmöglichkeiten wurden uns gegeben.

Ich werde noch in diesem Semester das Gelernte an mein Dozententeam weitergeben. Ich kann mir vorstellen, dass viele nun auch in unseren Computerraum gehen möchten. Ich kann mir auch vorstellen, dass einige das Learning Plattform oder auch den Unterrichtsplaner ausprobieren werden.

Ich möchte auch Umfragen durchführen und um Feedback in elektronischer Form bitten, so können alle anonym ihre Meinung abgeben und die lästige Papierform, die man auch erstmals noch auswerten muss, ist weg. Und ich würde gerne mehr darüber berichten, was in meinem Fachbereich passiert, mehr bloggen und mehr posten.

Ein paar der vorgestellten Möglichkeiten, nur um ein paar zu nennen: online Unfrage, online Tutorial (mit Aufnahme vom Bildschirm), Erstellen eines Videos, Gruppen bilden online, online Unterrichtsplan erstellen, ePortfolio, online Quiz, moderne Schnitzeljagd mit Tablets, Learning Apps (nutzen und selbst erstellen), Mindmapping, Padlet, online Kurse erstellen, 3D Visualisierungen,  Nutzung von online Plattformen. Eine Kleinigkeit hat mich enttäuscht. Und zwar, dass wir am Anfang der Woche abgestimmt haben, was wir essen wollen, allerdings nicht in elektronischer Form. :(

Kulturelles

Ich bin einen Tag früher in Riga angereist und bin sehr stolz darauf, dass ich für die Reise alles in eine Laptoptasche packen konnte. Ich besaß das kleinste Gepäck aus der Gruppe und habe immer wieder Mal im Hotelzimmer Socken oder ein T-Shirt waschen müssen. Die nächste Reise würde ich nicht anders machen, nur die Laptoptasche würde ich vielleicht für einen Rucksack eintauschen.

Mein Gepäck am Münchner FlughafenTimea_Bild2_kl.jpg.1

In Riga habe ich mich übernommen und lief 7 Stunden zu Fuß, sodass ich noch Tage danach Fußschmerzen hatte.  In Riga habe ich nach der Stadtbesichtigung ein Volksfest mit traditionellen Tänzen und gutem Essen aus Kesseln erwischt. Und die lettische Blutwurst musste probiert werden. Sehr lecker!

Volksfest am Schwarzhäupterhaus in Riga  - coole Kostüme

Timea_Bild3_kl.jpgIn Valga, wo das Training stattfand, wurden wir in einem sehr schönen Hotel untergebracht. Ich war die ganze Woche die erste beim Frühstück, weil ich gerne noch 30 Minuten die Ruhe genieße, bevor es losgeht. Wahnsinn, wie sehr die Gewohnheiten gerade beim Frühstück zur Geltung kommen - die Reihenfolge am Frühstückstisch wurde die ganze Woche eingehalten. Unser Reiseleiter Rainer hat sich gewundert, dass wir alles zu Fuß machen wollten, obwohl das Chauffieren mit dem Bus angeboten wurde. Jeden Morgen liefen die meisten von uns zu Fuß zum Trainingszentrum.

Rainer, unser Gastgeber, war sehr genau. Er hat den Zeitplan eingehalten und hat uns immer pünktlich vom Training zum coffee break abgeholt. Die Führungen von ihm waren sehr informativ und witzig. Er war ein sehr sympathischer, wenn auch etwas gestresst wirkender, Gastgeber.  Zum Abschluss beim letzten Abendessen wurden deutsche und estnische Lieder nach dem Abschiedsessen gesungen. Das  fand ich sehr lustig.

Wir haben wahnsinnig viel besichtigen können: Riga, das baltische Meer, Tartu, das Ahaaa Zentrum (ein naturwissenschaftliches Museum mit echten Körperteilen und missgebildete Embryos in Gläsern - gruselig), die Staatsgrenze zwischen Estland und Lettland (Valga/Valka), Superalco auf der lettischen Seite - das riesige Alkoholgeschäft, das auch für die Schüler in Valga oft Probleme bereitet, das Patriotic Military Museum in Valga, das Schloss Sangaste Moisahoone, die Hauptstadt Tallinn, das Innove Zentrum und die TTÜ Uni in Tallinn und noch vieles mehr. Ich persönlich konnte durch einen Zwischenstopp auch noch Vilnius besichtigen.

Natur pur – das baltische Meer
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Am Ende des Trainings haben wir eine Stadtführung von Rainer durch die Altstadt Tallinns bekommen. Die Altstadt von Tallinn ist wunderschön, nur ein bisschen mit Touristen überlaufen und auch ein klein bisschen teuer. Mit einer kleineren Gruppe sind wir an einem Abend in den Club Sherlock Holmes gegangen und haben Rockabilly Musik angehört.

Nach und nach haben die Teilnehmer der Reise Tallinn verlassen, die meisten am Samstag, einige am Sonntag. Ein Zwischenstopp in Vilnius ermöglichte mir, auch diese Hauptstadt zu besichtigen. In Vilnius war ich ganz alleine. Alle drei Hauptstädte waren sehr schön, aber sehr unterschiedlich. Riga hat sehr schöne Kirchen und es fließt der Fluss Düna durch die Stadt, was ihm seinen Charme verleiht. Der Strand ist sehr nah, nur 30 Minuten mit dem Zug entfernt. Tallinn hat eine wunderschöne Altstadt und Vilnius ist hügelig, hat kleine Bäche, was ein bisschnan an München erinnert und ganz viel Graffiti.

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Schnitzelhaus in Tallinn, das lassen wir uns mal schön entgehen. ;)

Die ganze Reise wurde von kulinarischen Köstlichkeiten begleitet: 8 verschiedene Pelmeni am Bahnhof von Riga, viel Fisch, estnischer Likör, Vana Tallin, in der Kneipe Püssirohukelder - die Kneipe mit der höchsten Decke auf der Welt (11m),  die deshalb auch im Guiness Buch der Rekorde steht, unterschiedliche Biersorten, darunter Knoblauchbier im Kknoblauch-restaurant in Tallinn, Klöße gefüllt mit Fleisch mit einer Soße aus sauer Sahne und Speck und Blutpudding dazu - zwei Hauptspeisen statt Nachspeise dazu ;)

Knoblaucheis  - aber das Knoblauchbier war noch zwei (oder drei++) Ticks besser. ;)
Timea_Bild6_kl.jpg.1Fazit:

Die Reise hat mir kulturell, kulinarisch und aus lernteschnischer Hinsicht sehr viel gebracht. Sie war eine richtige Bereicherung auf vielen unterschiedlichen Ebenen: Tolles Training, gutes Essen, interessante Stadtbesichtigungen sehr gute Gesellschaft. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein. Es war schön zu sehen, wie die EU- Gelder in Estland genutzt werden.  Das Training hat meinen Horizont immens erweitert.

Tímea Gőghová 

BLUEprints of the future - Ein AHHAA - Erlebnis

Ein verwegener Blick in die Zukunft der Unterrichtsgestaltung hat sich für meine zehn Mitfahrerinnen und mich auf unserer Rundreise durch die estnische Bildungslandschaft erschlossen. Unter kundiger Führung unserer beiden Gastgeber Eva und Reiner wagten wir uns in technische Galaxien vor, die nie ein VHS-Dozent zuvor gesehen hat.

Tallinn (Lettland, 12.05 -13.05.2018, 27 ° bei Sonnenschein)

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Bereits bei Abflug in München hatte ich das Glück, zwei meiner Reisebegleiter zu treffen. Gemeinsam landeten
wir in der lettischen Hauptstadt Tallinn. Bei strahlendem Sonnenschein erkundeten wir diese sehenswerte Stadt mit Ihrer traumhaften Altstadt. Dabei entdeckten wir einen multimedialen Brunnen, der sich als Fingerzeig für den Rest der Bildungsreise herausstellen sollte.
Am folgenden Sonntag lernten wir den Rest unserer Reisegruppe und unseren Reiseleiter Rainer Kuutma (Manager of International Projects, Valga County Vocational Training Centre) kennen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in die estnische Grenzstadt Valga.

Valga (Estland, 14.05 – 18.05.2018, 22 – 25 °, meist Sonnenschein)

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Tags darauf begann das eigentliche BLUE Training im Valga County Vocational Training Center (VKOK), in dem Rainer und unsere Dozentin Eva Tšepurko tätig sind. In den folgenden Tagen erarbeiteten wir uns unter verständiger Anleitung von Eva eine Vielzahl von Onlineapplikationen und testeten diese mit praktischen Anwendungen.
Daneben durften sich alle Reiseteilnehmer in der Handhabung mit state-of-the-art Technologien (Drohnenflug, VR-Brillen mit Bewegungssensoren) ausprobieren.
Zusätzlich gewährte Eva einen Einblick wie IT-Anwendungen Eingang in den Alltag estnischer Bürger gefunden
hat. So liegt der Anteil der elektronisch übermittelten Steuererklärungen in Estland bei über 95 %, während die ELSTER-Quote in Bayern weiterhin kaum die 50 %-Hürde überschreitet.
Neben dem Valga County Vocational Training Center bot sich in Valga auch die Möglichkeit die Valga Patriotic Education Exposition und Erinnerungsstätten des zweiten Weltkrieges zu besuchen.

Otepää, Tartu, Sagnitz (Südestland)

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Die Lage der estnisch-lettischen Grenzstadt Varga / Valka gab der Teilnehmergruppe auch die Gelegenheit sich verschiedene Städte (Otepää, Tartu - AHHAA – Science Center) und Sehenswürdigkeiten (Schloss Sagnitz) in der Umgebung anzusehen.

Tallinn (Estland, 18.05. – 19.05.2018, 21 °, Sonnenschein)

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Am Freitag begann schließlich die letzte Fahrt im Rahmen des BLUE Trainings und führte uns in die estnische Hauptstadt Tallinn. Die abschließenden Besuche gewährten Einblick in die estnische Bildungsstiftung INNOVE und
lNNOVE und das IT-College an der Universität Tallinn.
Auch Tallinn wusste wieder durch die Verbindung von historischer Architektur und moderner Technik zu gefallen.
Ein Beispiel hierfür sind sicherlich die platzsparenden, aber dennoch ansehnlichen Wohncontainer am Hafen bzw.
elektronische Fahrkarten in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Am Samstag endete dann unsere Bildungsreise mit einer spannenden Stadtführung durch Rainer und einer herzlichen Verabschiedung von der Gruppe.

Fazit

Die Reise zeigte auf, wie die Zukunft auch in der Erwachsenenbildung aussehen könnte und welche technischen Hilfsmittel bereits heute bereitstehen. Einige Anwendungen werde ich zeitnah im Unterricht testen und dann entscheiden, ob sie eine Bereicherung darstellen oder nicht.
Ein wichtiger Teil dieser Trainings war für mich auch der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus anderen Fachbereichen, der mir einige neue Ideen und Möglichkeiten für meinen Unterricht aufgezeigt hat.

Daniel Fröhler

BLUE-Training Estland Mai 2018

Es war nur 1 Woche Training, aber die Erfarungen die ich gemacht habe sind viel viel mehr..eine Woche Input, x Wochen Output und Trainings für andere Trainer.

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Anreisetag:  Bereits am Flugplatz geht es los mit den ersten Digitalisierungseindrücken von Getränkeautomaten bezahlbar mit Karte bis hin zu einem Hausschuhautomaten! In Riga dann elektronische Fahrkartenentwertung und prompt Fahrtkartenkontrolle natürlich auch elektronisch! In Riga selbst dann altertümlicher Frühlingskarneval, super geniales Wetter, schöne alte und moderne Gebäude.

Treffen auf die Gruppe: zuvor Fahrt ans Meer nach Jumarlar. Strand geniessen, überteuertes Eis essen und sich über die Preise wundern, alle treffen, Fahrt nach Valga, super nette und interessante Kursteilnehmer, viel reden, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich mit Wald Wald Felder Felder Natur Natur. In ca 3h Fahrt kaum Häuser gesehen. Glücklich und müde ins Bett fallen.

Erster Trainingstag: Eva übersprudelt uns mit ihrer quirligen Art. Wir erfahren viel über Estonia. Beeindruckend vor allem der Umgang mit Transparenz und Digitalisierung. „Wifi is human right and it is free and open and save“, „We feel saver because of the transparence“.

Zweiter Trainingstag:  Heute läuft IT mässig so einiges schief. Deshalb sollte man immer vorbeireitet sein und einen Plan B in der Tasche haben. Vor allem in der IT kann es immer Ausfälle (kein Internet/Zugriff, Speicher voll, Batterie leer, ..) geben J

Häussler_Bunte_Stühle_kl.jpgDritter Trainingstag im beeindruckenden Innovation Room:

So manch einer denkt sich  heute,  dass er eine solch tolle Einrichtung mit Scooter Stühlen und Glas-Team-Board auch für seine Schule haben möchte. Generell ist die Berufsschule super genial ausgestattet. Lieber fange ich erst gar nicht das vergleichen mit unseren Ausstattungen an.

Letzter Trainingstag: Im Schnellzug rast Eva durch die Tools. Leider verliert sie dabei den einen oder anderen Passagier. Alle Tools nochmal im Überblick plus Tools selbst ausprobieren. Sogar einen Virtual-Reality- Spielraum hat die Schule!

Fahrt nach Tallinn: Wie die ganze Woche auch heute haben wir einen sehr straffen Zeitplan.Der Besuch bei  INNOVE und der technischen Hochschulen hätten länger sein können. Die Visitenkarten wurden aber ausgetauscht. Generell habe ich das Gefühlt, dass die Regierung sich vielen Themen (vor allem in der Bildung) annimmt und zentrale Forschungen und Veränderungskonzepte unterstützt.

Tallinn: Beeindruckende Hauptstadt, altertümlich restauriert, aber auch pop moderne Alt/Neu Mischungen in Rotterman. Verwunderung über die relativ hohen Preise, die sich ein Este eigentlich nicht leisten kann mit Gehälter um die 1300 Euro.

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Häussler_Sonnenbrille_kl.jpgFazit: Die (EU) Welt mit anderen Augen sehen.Das Projekt ist voll gelungen. Ich habe viele Eindrücke diese Woche erhalten, viel gelernt, viel sehen dürfen, viel ausprobiert. Die Esten haben viel EU Gelder erhalten. Der ein oder andere Euro würde unseren Schulen auch gut tun. Sie haben echt was daraus gemacht. Ich bin begeistert und beeindruckt.

Karin Häussler

Im Baltikum mit Erasmus Plus

Mit Erasmus Plus das Baltikum bereisen zu können, ist eine Chance. Ich konnte sympathische Menschen in unserer Gruppe kennen lernen und einen Einblick in eine Region gewinnen, von der ich vorher kaum etwas gewusst habe.

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Da wir uns in Riga trafen, konnten wir diese schöne alte Hansestadt zuerst besichtigen. Mich hat sehr beeindruckt, wie unterschiedlich die drei baltischen Länder sind, was für eine unterschiedliche Geschichte sie haben und dass sie so unterschiedliche Sprachen sprechen, dass sie sich untereinander nur über eine Drittsprache verständigen können. Das spürt man besonders in der Grenzstadt Valka/Valga.

Herget_Holzschaukel_kl.jpgAuch ist Riga z.B. eine Stadt, die viel Wert auf Literatur und Kultur legt, was auch an dem weithin sichtbaren, beeindruckenden Gebäude der Stadtbibliothek - ein starker Gegensatz zur alten und heruntergekommenen technischen Hochschule - deutlich wird. Estland dagegen gibt sich als Vorreiter der Digitalisierung und ist sehr an Finnland gebunden.

In Estland stießen wir immer wieder auf tolle Ingenieurskunst - einfache, aber nützliche Konstruktionen wie schaukelnde Sitzbänke oder verstellbare Wippen. Die Menschen in Estland haben Ideen!

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Unvegesslich ist für mich auch die alte, traditionsreiche und berühmte Universitätsstadt Tartu, aus der zahlreiche berühmte Wissenschaftler hervorgegangen sind.

Der Kurs von Eva Tsepurko konnte mich jedoch nicht überzeugen, mehr digitale Medien in meinem Deutschkurs anzuwenden. Zu den vorgestellten Programmen fielen mir fast immer analoge Übungen ein, die ich mit weniger finanziellem und zeitlichem Aufwand (und Datenschutzfragen) und mehr Kommunikation unter den Teilnehmern und emotionaler Wärme einsetze bzw. einsetzen könnte.

Sehr interessant fand ich den letzten Tag mit dem Besuch zweier Einrichtungen in Tallinn: das Innove-Institut und das IT-College. Hier wurden wir jeweils sehr freundlich und  kompetent empfangen und Dinge wurden von verschiedenen Seiten dargestellt. Danke, dass uns dies ermöglicht wurde!

Herget_Universität_kl.jpgMit viel Elan wollte ich meine erworbenen digitalen Kenntnisse bei der Erstellung des BLUE-Reisejournals anwenden und war dann doch etwas frustriert, dass es mir weder gelang, meinen in einem Textverarbeitungsprogramm verfassten Text noch meine Fotos einfach einsetzen zu können. Leider waren es auch technische Schwierigkeiten gewesen, die mich an der aktiven Teilnahme am Abschluss-Webinar gehindert hatten. Meine Fortschritte im Bereich der Technik halten sich also trotz der Fortbildung in Grenzen. Gleichzeitig kann ich seit der Fortbildung an mir selbst eine größere Offenheit für das Erlernen digitaler Skills feststellen.

Auch bin ich dankbar, dass uns Erasmus Plus ermöglicht hat, ein Land jenseits des Touristenrummels kennen lernen und in seine Bildungsstruktur Einblick bekommen zu können.

Svenja Herget

Digi-Kultur mit BLUE

Teilnahme am BLUE-Training des Bayerischen Volkshochschulverbandes - 12.-19. Mai 2018

Loibl_Statue_kl.pngDie Reise startete am Samstag in Riga. Einen Abend und einen Vormittag hatte ich Zeitdiese schöne Stadt für mich zu entdecken. Das Sightseeing begann mit einem sehr aufmerksamen Taxifahrer, der mir auf der Fahrt in die Altstadt u.a. das Freiheitsdenkmal, das Symbol für die nationale Souveränität Lettlands, zeigte. Riga zeigte sich als junge, lebendige Stadt, deren Bewohner und Besucher bei sommerlichen Temperaturen die Straßen und Plätze bevölkerten und feierten.

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Am Sonntag Nachmittag wurde unsere Projektgruppe von den Projektpartnern Rainer Kuutma und Peeter Tiks abgeholt. Mit zwei Kleinbussen ging es durch viel Waldlandschaftund mit einer erfrischenden Pause im Garten der Brauerei Valdezquierda nach Valga in unser Hotel Metsis.

Am Montag Morgen machten wir uns gemeinsam zu Fuß auf unseren Schulweg, der uns ans Ortsende zum modernen Valga County Vocational Training Center führte. Dort erwarteten uns Rainer und unsere Lehrerin Eva. Rainer informierte uns über den Bau der Schule und zeigte uns die Seminarräume, Bilbliothek, Schreinerwerkstatt, KFZ-Werkstatt, Schulküche usw. Von Eva lernten wir, dass Wifi und Internet in Estland ein „Menschenrecht“ sei. Sie berichtete uns von ihrer Laufbahn und vom Schulsystem in Estland. Wir erfuhren vom uneingeschränkten Einsatz der ID-Cards, ohne die für Estlands Bürgerinnen und Bürger nichts geht. Wir stellten fest, dass in Deutschland viel mehr Wert auf den Schutz der Daten gelegt wird. Bereits am ersten Schulungstag lernten wir zahlreiche Online-Tools wie das Feedback-Tool Answer Garden sowie E-Portfolio-Tools kennen. Am Abend besuchten wir das AHHAA-Centre, ein Technik-Erlebnis-Zentrum.

Loibl_Interior_kl.jpg.1Am Dienstag lernten wir zahlreiche Online-Tools für den Einsatz bei der Schnitzeljagd, für Quizfragen und für Lernspiele kennen. Technische Probleme machten deutlich, wie wichtig es ist, deren Einsatz im Vorfeld genau zu planen und die Internetverbindung bzw. die Reichweite des W-LAN zu testen. Nach dem Mittagessen, das von den Auszubildenden zubereitet wird, besichtigten wir Valga und besuchten den Friedhof für ehemalige Kriegsgefangene. Der Besuch des Militärmuseums offenbarte einen für die deutsche Kultur etwas ungewohnten Umgang mit Militärgeschichte, der den Stolz der Soldaten für ihre Heimat heraushob. Nach viel geistigem Input Zeit für körperlichen Ausgleich bei einer Joggingrunde am künstlich angelegtem Naherholungsgebiet.

Am Mittwoch fand unser Training in der Bibliothek statt. Die bunten, mobilen Stühle mit Tischchen und eine beidseitig beschreibbare Tafel aus Glas zeigten, welchen Einfluss das Loibl_bunte_Stühle.jpg.1Lernumfeld auf die Motivation und das Lernen hat. Mit Animoto lernten wir auf einfache Weise in wenigen Minuten Videos zu produzieren. Weitere Themen waren QR-Generatoren, E-Posters oder Padlets zum Ideensammeln sowie die Entwicklung von Lern-Apps. Auch die Funktionsweise einer Drohne konnten wir praktisch testen. Nach dem Unterricht ging es nach Otepää, einem Winter Sport Zentrum. Von der Aussichtsplattform der Sprungschanze stellten wir wieder fest, wie wenig bewohnt Estland mit seinen nur 1,3 Millionen Einwohner ist und wie sehr die Landschaft durch den Wald geprägt wird.

Ein Höhepunkt beim Training am Donnerstag waren unsere ersten Erfahrungen mit Augmented Reality-Tools. Begeistert stellten wir fest, wie eine Zeichnung zum Leben erweckt werden kann. Der Nachmittag war verschiedenen Lernplattformen und der Möglichkeit, eigene Online-Kurse zu entwickeln, gewidmet. Dabei erfuhren wir, dass in Estland HITSA (The Information Technology Foundation for Education) einen zentralen Server für Moodle für alle Schulen Estlands vorhält und es grundsätzlich an jeder Schule einen Medien-Verantwortlichen gibt. Zentrale Dienstleistungen durch eine übergeordnete Einrichtung und Fachkräfte an den einzelnen Bildungseinrichtungen – beides zentrale Voraussetzungen, damit die die erweiterten Lernwelten funktionieren.

Am Freitag ging es in die Hauptstadt Tallin. Der Besuch von INNOVE, einem Kompetenzzentrum und Dienstleister für Bildung, der vom Kultusministerium in Estland und von EU-Fördermitteln finanziert wird, war für uns von besonderem Interesse, weil Loibl_Stadtansicht_kl.jpghier die bisherigen Erfahrungen des Lernens mit digitalen Medien analysiert wurden. So lernen gute Schüler/-innen nicht automatisch besser mit dem Einsatz digitaler Medien, für schwächere Schüler/-innen hingegen ist dies erwiesenermaßen förderlich.

Im IT College der Tallin University of Technology lernten wir deren Wikiversity – ein System für Online-Kurse/MOOCs - kennen und erfuhren, welche typischen Fehler im Zuge der Digitalisierung gemacht werden. In der jetzigen Entwicklungsstufe des digitalen Lernens solle nicht mehr die Technik, sondern die Pädagogik im Vordergrund stehen.

Loibl_Stadtansicht2_kl.jpgBei Fahrt in die Innenstadt erlebten wir den wohl für alle Hauptstädte üblichen Feierabend-Stau. Mit etwas Verspätung suchten wir unsere individuell gebuchten Unterkünfte auf. Ich freute mich über mein Privatzimmer direkt am Hauptplatz von Tallinn. Statt Schlüssel gab es eine Chipkarte für die Haustür – Digitalisierung auch hier.

Loibl_Stadtansicht_Dämmerung.pngAm Samstag rundete eine Führung mit Rainer den Besuch der wunderschönen, aber leider auch sehr touristischen Stadt ab. Am späten Nachmittag ging es dann mit der Trambahn zum Flughafen und am Abend zurück nach München.

Christine Loibl

Weisheiten aus dem BLUE-Training: „Digitale Tools wie Gewürze verwenden ...“

Spannend war für mich nicht nur der Einblick in die unzähligen Online-Tools, den wir in der Woche durch unsere fröhliche, selbstbewusste und in Estland hoch dekorierte Trainerin Eva Tsepurko erhielten, sondern vor allem die Unbefangenheit, mit der Eva und offensichtlich auch ein Großteil ihrer Landsleute mit den digitalen Errungenschaften umgeht.

BLUE_EST18_Siegl2.jpgDer in Deutschland auf die Spitze getriebene Datenschutz scheint in Estland keine große Rolle zu spielen – vielleicht erklärt sich diese Sorglosigkeit mit der geringen Einwohnerzahl des Landes: In ganz Estland wohnen gerade mal so viele Menschen wie in meiner Heimatstadt München! Und diese 1,3 Millionen Personen fungieren im IT-Bereich Estlands tatsächlich als „Versuchskaninchen“ für Projekte und die Erprobung von IT-Anwendungen aus Ländern wie Finnland und England.

BLUE_EST18_Siegl1.jpgEvas einführende Worte, wir sollten (zum Beispiel im Kurs) IT-Tools wie Gewürze verwenden, nicht zu viel und nicht zu wenig, wurden durch die Vielzahl der vorgestellten Online-Anwendungen dann fast aufgehoben… mit „Lensoo“ zu zeichnen und auch die eigene Stimme aufzunehmen oder eine QR-Code-unterstützte Schnitzeljagd mit dem Laptop durchzuführen erfordert doch einiges an Unterrichts-/Zeit. Das Ausprobieren der Tools hat viel Spaß gemacht, einige von uns aber manchmal auch ein bisschen überfordert (weil die Technik halt doch nicht immer und überall funktionierte).

BLUE_EST18_Siegl5.jpgWunderschön und nachahmenswert ist die Bibliothek im Training Centre: Bunte rollende Stühle mit Tisch für Laptop sowie ein 850€ teures hohes Whiteboard laden ein zu Gruppenarbeit. Ja, und Bücher gibt es auch in dieser (übrigens bewachten) Bibliothek und laut Eva lernen die Schüler hier wieder, in Büchern nach Wissen zu forschen und korrekt zu zitieren…

BLUE_EST18_Siegl4.jpgEs war sehr spannend für mich zu erleben, wie unkompliziert und vielfältig in Estland mit dem digitalen Lernen und dem digitalen Leben umgegangen wird und welch hervorragende technische Ausstattung es in Schulen und Universitäten gibt. Aber es hat mich auch ein bisschen erschreckt, wie unreflektiert im Land all die Apps und Tools durch die Digitalisierung und das überall verfügbare Internet angewendet werden und welche Gefahren der unbesonnen großzügige Umgang mit „Digi Pass“ birgt.

BLUE_EST18_Siegl3.jpg.1Die beiden Länder Estland und Lettland, die ich auf dieser Reise kennenlernen durfte, haben mich sehr fasziniert, nicht nur durch die wunderschöne Landschaft, den vor allem im lettischen Riga immer noch so präsenten Jugendstil, das kulturelle Erbe der Hanse in Tallinn und die sehr freundlichen Menschen. Und am meisten beeindruckt hat mich die Haltung der Einwohner zu Europa, die Zufriedenheit darüber, zu Europa zu gehören und die (hoffentlich nicht nur wegen der Fördermittel) spürbare Wertschätzung Europas. Das sollte uns „Alt-Europäern“ vielleicht zu denken geben.

Herzlichen Dank an Claudia Graab für diese wunderbare Möglichkeit im Rahmen des  ERASMUS+ Projekts!

Roswitha Siegl

Eine Reise zwischen WLAN und Natur - Was uns die Esten in der Digitalen Welt voraus haben

Der Flug von München bringt mich am Samstag 12.5.18 nach Riga, der Hauptstadt Lettlands. Von hier aus soll es am nächsten Tag mit Minibus weitergehen nach Valga, einer Grenzstadt in Estland, wo das Blue-Training stattfinden soll. Einen nachhaltigen ersten Eindruck von Riga habe ich bereits im Hotel bekommen. Bei meiner Fahrt im Hotelaufzug nach oben,  blieb der Aufzug stecken. Zum Glück konnte ich mich durch Klopfzeichen bemerkbar machen und von außen Stimmen hören „we will solve the problem“.  Schnell war der Stromausfall behoben und es ging weiter. Wäre ich abergläubisch, hätte ich das Erlebnis als schlechtes Omen für diese Reise gedeutet. Doch es sollte ganz anders kommen:

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Am Sonntag trafen sich sämtliche Blue-ler am bestens angekündigten Treffpunkt beim Bahnhof in Riga. Der Platz war nicht zu verfehlen. Genaue Skizzen mit Fotos machten den Treffpunkt klar. Überhaupt, das schon mal vorweg: die Reisevorplanung war bestens. Mit 2 Minibussen holten uns Rainer und ein Freund ab und brachten uns nach Valga. Kilometerlang führt die Straße durch waldige, trockene Kiefernwälder. Ich denke jetzt eher an Natururlaub als an Digitalisierung. Wo die digitale Welt hier nur stattfinden soll, in der die Esten uns angeblich so weit voraus sind? Wir kommen an im Hotel Metsis, einem frisch renovierten, ehemaligen Schulhaus, unserem Domizil für die nächste Woche. Das Haus ist dekoriert mit allen möglichen Afrikatrophäen und weckt in mir das Gefühl, in einer wirklich fremden Welt angekommen zu sein.

Das bestätigt sich auch am nächsten Morgen,  als wir im Valga County Vocationel Training Center, unserem Schulungszentrum für die nächste Woche, durch die Räume geführt werden. Das Gebäude ist an den Außenwänden geschmückt mit einer Bienenwaben- Struktur.  Auf die Frage hin, ob denn hier auch Imker ausgebildet werden, bekommen wir die Erklärung. Die Architektur sei das Symbol für fleißige ArbeiterInnen, die hinter den Mauern aktiv sind. Im Inneren des Hauses: modernste Ausstattung, Computer im Klassenzimmer, Lehrwerkstätten für Automechaniker, Schneider , Köche, Schreiner u.a., jeweils mit neuesten Geräten ausgestattet.  Die Energie, die die Räumlichkeiten aussenden, steckt auch in Eva, unserer Trainerin. Eva geht gleich in medias res: „Classrooms go paperles“.

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Nach einer ausführlichen Vorstellung ihrerseits „bombardierte“ sie uns mit allerhand Lernplattformen wie Answergarden, Go vote, Padlet usw. In rasender Geschwindigkeit springt sie von einem Thema zum nächsten. Schnell wurde mir klar, dass es hier nicht darum geht, alles zu beherrschen, sondern lediglich einen Eindruck von der Vielfalt zu bekommen. Um 15.30 Uhr rauchte mir dann bereits am 1. Schulungstag der Kopf bei diesen vielen Infos in schnellstem Englisch, aber dann war auch Schluss. Es sollte an den nächsten Tagen aber so weitergehen, Infos über Infos in einem vorwiegend lehrerzentrierten Unterricht. Wir lernten viele Learning Apps kennen, erfuhren, wie man gezeichnete Bilder zum Laufen bringt und daraus kleine Animationen entstehen lassen kann und wie man Eltern über eine App in den Unterricht einbindet.  Willkommene Abwechslung  boten uns die Tests einiger Apps wie Actionbound und der Flug einer Drohne. Weil bereits bei der ersten Demonstration die Batterie ihren Dienst versagt, musste Eva kurzfristig umdisponieren und wir hatten Zeit für eine kurze Besichtigung der Innenstadt Valgas.

Für jeden Nachmittag war ein sehr interessantes Beiprogramm vorbereitet: wir testeten naturwissenschaftliche Experimente im Ahhaa centrum (6)in Tartu.  Besuchten das Museum  Valga Patriotic Education Exposition, mit seinen Kriegsutensilien, Leuchtgewehren zum Ausprobieren. Vor allem der virtuelle Helicopterflug am Nachmittag lockerte die angespannte Lernatmosphäre des Vormittags auf.  Sehr interessant war auch ein Ausflug nach Otopää (2)dem Wintersportzentrum von Estland mit seiner Sprungschanze. Hier wird unter einer dicken Decke sogar etwas realer Schnee aufbewahrt, damit es dann im Winter auf den Loipen umso schneller wieder losgehen kann. 

Bach_AHA_Wissenschaftszentrum.jpgEin Ziel war auch Sangaste Castle, ein Überbleibsel Baltisch-deutscher Kultur in Estland. Mit Stolz und Überzeugung berichtete die Museumsführerin in blumigen Worten von „our count“.

Der vorletzte Tag  unserer Bildungsreise galt dann wieder ganz der digitalen Welt. Wir fuhren nach Tallinn und besuchten Innove, eine Stiftung der Estnischen Regierung, die dem Bildungs- und Forschungsministerium untersteht. Sie entwickelt Programme für lebenslanges Lernen und promotet IT an Schulen.  Auch die Stiftung Hitsa wurde uns vorgestellt, ihr Interesse ist es, dass alle die digitalen Kenntnisse und Fähigkeiten erhalten, die für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Estlands notwendig sind.  Ein Vortrag des Institutsleiters und seines Mitarbeiters am IT college vermittelte uns einen Einblick in die Produktion und Vorteile virtueller Vorlesungen, die hier produziert werden. Interessant auch: man pflegt hier eine Zusammenarbeit mit Kiel.

Bach_Sprungschanze.jpgEine Überraschung und etwas, was ich noch nie zuvor gesehen habe, war in Tallin ein Zustellroboter, der in einer Nebenstraße seine nächste Adresse ansteuerte, ähnlich wie bei uns ein Rasenroboter. Am letzten Tag führte uns Rainer noch durch die historische Altstadt von Tallinn. In der restlichen verbleibenden Zeit besuchte ich das Viertel Rotermann. Ein Wohn- und Geschäftsviertel, in dem architektonisch alt und neu geschickt kombiniert sind.

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Beeindruckt hat mich auch der russ.-orthodoxe Gottesdienst, den ich am Pfingstsonntag bei meinem Besuch der Alexander Newski Kathedrale miterleben konnte. Eine Volksfrömmigkeit, die hierzulande unvorstellbar ist. An vielen der besuchten Orte weisen Schilder darauf hin, dass hier Gelder der EU geflossen sind. Die Esten sind Europäer geworden! In der Vocational School in Valga habe ich mir manchmal gewünscht, dass auch unsere Schulen so gut ausgestattet werden.

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Ich hatte mir erwartet, für meinen DaZ Unterricht bei Flüchtlingen Anregungen zum Einsatz der  Handys im Unterricht zu bekommen. Unzählig viele Apps wurden uns präsentiert, doch deren Anwendungsübungen kamen, meiner Meinung nach, etwas zu kurz. Leider baute die Dozentin in ihren weitestgehend lehrerzentrierten Unterricht kaum Lernzielkontrollen ein. Ich bin mir momentan noch nicht sicher, wie ich das Wissen im DaZ Unterricht anwenden kann. Ich werde aber sicher zunächst ein Wörter-Quiz auszuprobieren. Mehr Anwendungen einiger learning apps könnte ich mir in meinem Telekolleg Unterricht gut vorstellen.

Gerne hätte ich noch mehr Einblick in die Schulpraxis vor Ort erhalten und auch andere estnische Lehrer kennengelernt. Ich habe bei unserem Blue-Training in Estland aber sehr viel erfahren und meinen Horizont in  Richtung Europa sicher erweitert.

Anita Bach

BLUE- Bye Lettland und Estland!

REISE und REISEGRUPPE – was los war

13.-19.05.2018 – Eramus +, Riga, Valga, Tallin. Bildungsreise mit Schwerpunkt IT-Lerntools. 11 Personen: Florian, Daniel, Tobias, Joachim, Karin, Christine, Svenia, Anita, Ellen, Roswitha, Timea, 6 vhs-Kursleitende für Apple-Kurse, Integrationskurse, Rhetorik, DaF, Kosten-Leistungsrechnung, 3 vhs Leitungen/HPM, 2 Verbandsmitarbeiter; Leitung: Peter; Kursleitung: Eva; Institutionen: Innove, staatliche Schulbehörde für Innovation und Forschung; Uni Tallin; Die Reise war einwandfrei organisiert und sehr gut begleitet. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen auf dem „Schulweg“, beim Essen, auf den Fahrten zu den kulturellen Stätten oder in den Pausen machte einen wesentlichen, sehr wertvollen Teil der Bildungsreise aus. Konkrete Lernergebnisse aus informellem Austausch und Anwendung:

+ Whatsapp-Gruppe, sich schnell, unterhaltsam und effektiv verständigen
+ Gespräch mit Ellen: Wie wird der digitale Wandel in der Schule erfolgreich: woran fehlt es?

  1. Es braucht die digitale Infrastruktur mit Glasfaser, WLAN und Leasingsgeräten, nicht kaufen weil schnell veraltet
  2.  feste Systembetreuer, keine Lehrkräfte, die das neben hermachen
  3. Intensive Lehrerfortbildungen möglichst an der Schule mit auch externen Referenten, nicht nur Lehrer bilden Lehrer fort.
  4. „Überraschen und begeistern, nicht von oben verordnen, d.h.: Plattformen schaffen die über erfolgreiche Projekte, Methoden, die taktische Modelle und Praxis berichten. Der Lehrer muss erkennen, dass ihm die digitalen Tools die Arbeit erleichtern,

LAND und LEUTE – was beeindruckend war
jr_Bild1_kl.jpg.1Das Rahmenprogramm war vollgepackt und abwechslungsreich. Allein der Austausch mit Bürgern von Estland wäre noch eine wertvolle Erweiterung gewesen. „Wie aus dem Nichts“ kommt man aus dem flachen Land des Waldes an völlig unerwartete Plätze, wie das prächtige Landschloss Sangaste des deutschen Adeligen von Berg, Wintersport-Trainingszentrum, Edel-Erholungsresorts am Heiligensee, die zweitgrößte Stadt Estlands, Tartu, und nicht zuletzt: das Valga Vocational Training-Center auf der grünen Wiese am Stadtrand hinter einfachen Holzhäusern. jr_Bild2_kl.jpg.1

+ Esten verbinden Widersprüche: Singen und Nicht-Lachen, 2mal Fragen bei z.B. Getränke-Anbieten: erst Nein, dann Ja; Wald und Weltstädte; großer Abstand zwischen den Häusern, aber digitale Transparenz; x- mal besetzt, aber keine Kriegsschäden, am Rand der EU, aber digital ganz vorn, baufällige neben hübsch-renovierten Häusern, BILD HÄUSER ; insgesamt: klein aber oho!

Sonstige Dinge, die mich beeindruckt haben:

+ ALKO 1000: Alkohol-Getränkemärkte auf Lettlands Grenzseite – Alkohol bis zum Abwinken
+ Reflektoren für Fußgänger
+ Militär ist klar positiv konnotiert und macht offenbar Spaß – unser simulierter Hubschrauberflug mit Sekt im Militärmuseum
+typische Gerichte: gefülltes Brot mit Kartoffel-Gerstenmantsch und süßer Brotbrei als Nachspeise, Polevka oder so: Baiser mit süßer Sahne und Früchten

LERNERLEBNISSE im KURS – was hängen bleibtjr_Bild4_kl.jpg.1

Der Kurs war ein Feuerwerk digitaler Tools, die viel Inspiration gegeben haben. Aussergewöhnlich schon die Sitzordnung. Jeder kann nach vorne schauen.

Für den Einsatz im Konferenzen und Tagungen hilfreich:
+ das Voting-Tool: www.mentimeter.com/ Antworten geben auf menti.com
+ scoove oder actionbound zum Onboarding in die bvv-Welt
+ https://www.mindomo.com/ ist ein Mindmappingtool für Kollaboratives Arbeiten

Wichtiger aber war für mich die Frage, wie Volkshochschulen der „Change“ hinzu einer „digitalen Vhs“ begleitet werden kann.

Dazu ergaben Nachfragen und Gespräche folgende Anregungen:
+ Webinare aufzeichnen und mit Inhalts- und Minutenverzeichnis versehen.
+ Digiminutes per day/per week für Lehrer zur Integration der Lernschritte in die tägliche Arbeit
+ Jedes Projekt publizieren. Viel Marketing auf eigener Hompage, Sozial Media
+ Promotion: Webseite mit RSS und Hashtags

Spannend war auch die Anregung bei der Uni Tallin. Ein Dozent nützt „wikiversity“ also Plattform für seine OER Aktivitäten

Le chef Rainer

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Joachim Rattinger

Estland - die große Überraschung

Neben dem fachlichen Reisegrund ergab sich, dank der Reiseroute, Gelegenheit einen kurzen Blick auf Riga und Tallinn zu werfen. Das machte die Reise für mich besonders interessant, denn bislang hatte sich für mich keine andere Gelegenheit ergeben EU-Länder im Nordosten zu besuchen. Abgesehen vom persönlichen Interesse ist das ganz klar der Mehrwert den eine solche Reise bietet: die Gelegenheit sich ein persönliches Bild vor Ort zu machen. Das vertieft die nachfolgend beschriebenen fachlichen Erfahrungen und den Austausch in einer Weise wie das z.B. mit einem Onlineforum o.ä. nicht möglich wäre.

Mein Reisegrund

Ich hatte mich ganz bewusst für Estland als Reiseziel beworben weil ich den „digitalen Vorreiter“ der EU mit eigenen Augen kennenlernen wollte. Ich wollte sehen wo und wie sich Estland schon digitalisiert hat und wie sich das im Alltag praktisch auswirkt.

Die große Überraschung

Am meisten überrascht hat mich an Estland wie schnell und konsequent (und manchmal scheinbar auch leicht) das Land die Zeit als sowjetische Teilrepublik hinter sich gelassen hat. Und offenbar auch mit welcher Radikalität. Dazu beigetragen hat sicher auch der historisch glückliche Umstand der frühen 90er Jahre dass zur gleichen Zeit das Internet langsam an Bedeutung gewonnen hat und sich hier für einen „jungen“ Staat der gerade eine Art Selbstfindungsprozess durchmacht, die Möglichkeit bot im Digitalen ein eigenes, neuartiges Selbstverständnis zu finden. Das war im Vortrag von Einar Roll bei Innove sehr eindrücklich nachvollziehbar. Ich würde das regelrecht als „digitalen Gründungsmythos“ bezeichnen. Mir scheint dass dieser „digitale Gründungsmythos“, zusammen mit einer gesellschaftlich starken Akzeptanz von und Bereitschaft zur Innovation dafür sorgt dass in Estland ein besonders günstiges Klima für Digitalisierung herrscht.

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Abluftfilter/Pelletpresse in der Schule in Valga. Innovationen müssen nicht immer digital sein.

Digitalisierung mit Augenmaß

Verfolgt man nur was in den Medien über Estland, speziell im Hinblick auf die Digitalisierung, zu erfahren ist, könnte man meinen das Land ist nur noch von Digital Natives bevölkert die alles was sie tun in höchst effizienter Weise tun und dabei die schiere Glückseligkeit produzieren. Zunächst fand ich es beruhigend dass die Digitalisierungshymnen der Medien offenbar Hirngespinste von Technikredakteuren sind die das Land, muss man annehmen, noch nie mit eigenen Augen gesehen haben. Die Digitalisierungsbemühungen Estlands sind bei näherer Betrachtung sehr viel kontrollierter und vernünftiger als es die fortschrittsgläubige Presse gerne hätte. Das wird beispielsweise durch die Existenz einer Stiftung wie Innove auf sehr beeindruckende Weise deutlich. Wenn es gewollt und möglich ist, und dafür auch entsprechende Ressourcen bereit gestellt werden, Innovationen im Bildungsbereich zentral (durch Innove) zu identifizieren, analysieren und ggf. auch gezielt flächendeckend auszurollen, dann zeigt das den Stellenwert den Innovation in der Gesellschaft hat. Es zeugt aber auch von einer gewissen Risikobereitschaft die eine Gesellschaft hat wenn sie sich den Mut zum experimentieren erlaubt. Diese kulturelle Eigenheit der Esten hat nach meinen Beobachtungen ganz grundlegend mit dem aktuellen Digitalisierungserfolg zu tun. Dieser Erfolg hat ganz sicher auch mit dem vergleichsweise nüchternen Umgang mit Rückschlägen zu tun. Estland war2007 digitalen Angriffen ausgesetzt die staatsbedrohendes Ausmaß hatten. Die estnische Reaktion darauf war aber nicht die Digitalisierung aufzugeben oder einzuschränken, sondern sich technologisch zu wappnen und die entsprechenden staatlichen Stellen mit Forschungsaufträgen zur digitalen Verteidigung zu versehen. Diese kulturelle Eigenheit der Risikobereitschaft und Innovationsfreude, die so massgeblich den Digitalisierungserfolg Estlands begünstigt, ist jedoch der entscheidende Faktor den man in Betracht ziehen muss wenn man die Digitalisierung Estlands bewerten will. Besonders dann wenn es um den Vergleich mit anderen (EU-)Staaten geht. Der Fortschritt bei der Digitalisierung eines Landes lässt sich nur unter Berücksichtigung der jeweiligen kulturellen Eigenheiten des Landes bewerten. Das gilt auch in einer globalisierten Welt, in der ein (zumindest theoretischer) gleicher Zugang zu Technologie für alle die (zumindest theoretisch) gleichen Ausgangsbedingungen schafft.

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Moderne Technologie zum buchstäblichen „Anfassen“ im Schulzentrum in Valga.

Einblicke in den (Bildungs-)Alltag

Die Reise (und hier speziell die Workshops mit Eva Tsepurko), hat mir interessante Einblicke in den technischen und didaktischen Werkzeugkasten an estnischen Schulen gegeben. Ich stelle fest dass sich mein eigener Lehralltag davon kaum unterscheidet, ich also gemessen an meinem Umfeld in Deutschland wohl schon recht digital arbeite. Scheinbar keine Überraschung, weil aus der IT kommend. Tatsächlich ist der IT-Hintergrund alleine, aber noch keine Gewähr dafür die Möglichkeiten der Digitalisierung auch didaktisch sinnvoll einzusetzen. Umgekehrt ist der laienhafte Eindruck dass sich selbst die IT durch Einsatz analoger Planungsmittel (wie z.B. Post-It Boards) von der Digitalisierung wegbewegt, ebenso falsch. Mein eigener vergleichsweise hoher Grad an Digitalisierung hat mir gezeigt dass die grundsätzlichen Ideen und Möglichkeiten der Digitalisierung tatsächlich universell sind. Der Grad und die Geschwindigkeit bei der Umsetzung hängen jedoch stark vom Umfeld (unmittelbar, aber auch gesellschaftlich/kulturell) ab in dem man sich bewegt.

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 Für viele andere Länder ein noch ungewohnter Anblick, aber eine deutliche sichtbare Auswirkung der Digitalisierung: ein Lieferroboter.

Fazit

Die Reise hat mir die erhofften Einblicke gebracht. Sowohl in Bezug auf das persönliche Interesse, als auch in Bezug auf die allgemeine Beurteilbarkeit von Digitalisierungserfolgen. Ich bin nun erst recht neugierig auf Estland geworden und würde mir einen noch tieferen Einblick wünschen, beispielsweise Besuche bei den für Cybersicherheit zuständigen staatlichen Stellen, aber auch ein ausgiebigerer Besuch bei Innove und bei Hitsa würde mich interessieren. Ich fühle mich reich beschenkt, nicht nur weil sich meine Erwartungen erfüllt haben, sondern weil ich darüber hinaus einen sehr interessanten europäischen Nachbarn für mich entdeckt habe, der für mich vorher nur recht abstrakt als „digitaler Vorreiter“ existiert hat, und dessen Menschen (zumindest die, denen ich begegnet bin) mir unglaublich offen, interessiert und freundlich begegnet sind.

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 Eine Erinnerung an die Menschenkette im Baltikum am 23.08.1989, und an die (bevorstehende) Loslösung von der Sowjetunion.

 Florian Gründel

Lernen/Leben/Unterrichten in Estland – smart, digital, modern

Das BLUE-Training in Estland veranschaulicht, wie digitales Lehren und Lernen funktioniert.

Die Reisegruppe traf sich zunächst in Riga, der Hauptstadt Lettlands. Viele Teilnehmer nutzten die Möglichkeit schon einen oder zwei Tage früher anzureisen und sich dieHüsam_iPad_01_kl.jpgHauptstadt Lettlands, welche sich auch als digital fortschrittlich zeigte, zu erkunden.

Rainer Kuutma, der Organisator der internationalen Projekte unseres Trainingscenters: Valga County Vocation Training Center (vkok), holte uns mit einem Kollegen am Nachmittag in Riga  mit zwei Kleinbussen ab und brachte uns nach Valga, einer Stadt im Süden von Estland.

Am Montag begann dann das eigentlich Training im vkok, dessen Fassade mit seinen gelb- Hüsam_Whiteboard_kl.jpgbraunen Waben an  einen Bienenstock erinnert. Wir lernten unsere Lehrerin für die kommenden vier Tage, Frau Eva Tsperkurko und  unter anderem den vortrefflich ausgestatteten EDV-Raum und die Bibliothek der Schule  kennen. Zunächst erhielten wir einige allgemeine Informationen zur Digitalisierung in Estland und seinen Schulen. So erfuhr die Gruppe, dass die ID-Karte in Estland gleichzeitig auch als Bankkarte, Führerschein, Krankenkarte etc. genutzt  wird. Sogar ein Unternehmen kann man mit dieser Karte in nur wenigen Minuten online gründen. Dies  beeindruckte uns sehr! Wäre das auch in Deutschland vorstellbar?  An diesem und den Folgetagen  erhielten wir  Einblicke in online-Anwendungen, wie zum Beispiel: answergarden.ch oder auch verschiedene Applikationen, Lernen am und mit Hüsam_Ipad_Gespräch_kl.jpgTablets.

Selbstverständlich probierten wir all das, was uns unsere offene, freundliche, sehr lebendige Trainerin vorstellte, selbst aus. In der  sehr gut ausgestatteten Schule war es für uns möglich, kurze Filme zu erstellen, mit einer Drohne  über das Schulgelände zu fliegen oder eine Virtual-Reality-Brille auszuprobieren. Eva ermöglichte uns mit      ihren Erzählungen auch einen Einblick in das digitale Schulleben Estlands zu erhalten. Eine hohe Zahl der   Hüsam_VR_kl.jpgLehrkräfte nutzt die moderne Technik. Das ist in Deutschland noch ein Wunsch! Wie wurde dies erreicht? Vielfältige Schulungen, Plattformen, auf denen gute digitale Unterrichtsideen vorgestellt werden, Veröffentlichungen von tollen Unterrichtsideen in der Presse, etc. machen dies möglich. Auch am vkok werden in allen Fächern digitale Programme, Applikationen, Apps eingesetzt. Ob der KFZ-Mechaniker, der Logistiker oder der Koche, alle Bereiche profitieren von der Einsetzung der digitalen Hilfsmittel und ermöglichen Lernen im 21. Jahrhundert.

Ein vielfältiges Freizeitprogramm rundete unseren Aufenthalt in Valga ab. So besuchten wir unter anderem das Wissenschaftszentrum AHHAA in Tartu. In diesem Mitmachmuseum werden zum Beispiel physikalische Phänomene erlebbar gemacht. Hüsam_Burg_kl.jpgAuch DAS Wintersportzentrum des Landes in Oteppää lernten wir kennen. Eine begeisternde Führung im Schloss Sangaste wird wohl allen Teilnehmern unvergessen bleiben.

Tief beeindruckt von der guten Ausstattung der Schule, der  lebendigen, offenen, sehr motivierenden Art unserer Trainierin nahmen wir am letzten Tag Abschied von Valga und fuhren in die Haupstadt Estlands Tallinn. Dort besuchten wir innove, ein Bildungsinstitut, das unter anderem den Einsatz der neuen Medien wissenschaftlich begleitet, Programme für lebenslanges Lernen entwickelt, die Schulen des Landes konzeptionell unterstützt,  ... . Sehr beeindruckend war, die Tatsache, dass Estland im Rahmen der PISA-Studie im naturwissenschaftlichen  Bereich den ersten Platz unter den europäischen Länder belegt. Im Anschluss besuchten wir die Informatikfakultät der Universität in Tallinn. Auch hier begeisterte unter anderem die technische Ausstattung. Dort, wie übrigens an jeder Schule, gibt es einen Techniker der sich lediglich darum kümmert, dass jeder Dozent in seinem

Hörsaal eine funktionierende, auf ihn abgestimmte technische Umgebung vorfindet. 

Krönender Abschluss der Reise war die Sightseeingtour durch die estnische Hauptstadt. Dieses außergewöhnlich gut erhaltene Beispiel einer mittelalterlichen Handelsstadt zog mit ihren Wahrzeichen, wie zum Beispiel dem  gotische Rathaus und dessen Rathausplatz  oder der Alexander-Newski-Kathedrale , alle in ihren Bann.

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Am Ende meiner Reise kann ich sagen:
Ich habe viel Neues gelernt, war beeindruckt vom digitalem Lernen in Estland, bin fasziniert von der schönen Landschaft, von der Kultur des Landes und fuhr bereichert nach Hause. Es wurde die Lust in mir geweckt, manches in meinen Kursen auszuprobieren.

Vielen Dank für dieses tolle Angebot!    

Ellen Hüsam

 

                                                                             f r E u n d l i c h e   Menschen

b e e i n d r u c k e n d e    d i g i t a l e     A u s  S t a t t u n g

                                         beeindruckende Haup T stadt

                                        w u n d e r s c h ö n e    L a n d s c h a f t

                                                                          W L A N  =  ein  „Menschenrecht“ in Estland

                                                 großes digitales k N o w  how  bei  allen  Lehrern

                                                                                 D i g i t a l i s i e r u n g  in  allen  Lebensbereichen

 

Sa oled tark nagu Einstein

Zwölf sehr unterschiedliche Gewächse aus der bayerischen Bildungslandschaft treffen auf eine preisgekrönte Frontfrau der estnischen Digitalbildung und einen pünktlichkeitsvernarrten Lern-Reise-(Beg)leiter – die eigentliche Lernerfahrung findet, wie so oft, zwischen den Zeilen statt.

Wildner_Wifi_kl.jpgTag 1. Wir beginnen unser Seminar mit dem digitalen Imperativ: Download! Subscribe! Log in! Unsere Trainerin für die ersten vier Tage, Eva Tsepurko, lässt alle deutschen Datenschutzbedenken bedenkenlos an sich abperlen. In Estland scheint kein Platz zu sein für die German Datenschutz-Angst. Dafür lernt man schnell, dass unterschiedliche Ausgangsbedingungen auch unterschiedliche Folgen nach sich ziehen. WLAN ist in Estland eine staatliche gewollte Selbstverständlichkeit (wenn auch kein „Menschenrecht“, wie es bisweilen heißt) und meist kostenfrei. In Deutschland ist WLAN immer noch eher ein Glücksfall und vor allem in Cafés oder im heimischen Wohnzimmer zu haben. Die Fortbildung in Estland ermöglicht uns also möglicherweise einen Blick in die deutsche Zukunft, in der man bei der Konzeption von Bildungsangeboten sich nicht permanent selbst ausbremsen muss, weil man mit funktionierender Technik ohnehin nicht rechnen kann.

Tag 2. Zum Thema "Eigentlich": Eigentlich sollten wir in dem EDV-Raum, in dem unser Seminar überwiegend stattfindet (immerhin: auch in Estland tappt man offenbar noch in die Falle zu meinen, dass digitales Lernen am besten in einem EDV-Raum zu vermitteln ist) gleich loslegen können. Stattdessen überbrücken wir das plötzlich einsetzende Software-Update mit einer halben Stunde frontalem Landeskundeunterricht. Offenbar gibt es keinen Plan B. Gegen Ende des Vormittags fährt der Trainer-PC immer noch sein Update. Seit dem Morgen lernen wir in genau einer Sozialform, dem Plenum. Wir haben keinen Kaffeebecher neben uns stehen. Wir sitzen in gezackten Längsreihen alle zur Tafel hin. Eigentlich dachte ich, dass eine national vielfach ausgezeichnete Trainerin methodisch vielfältiger agieren würde. Einiges nehme ich trotzdem mit: Die Idee eines Endgeräts von Lernenden ist: create (nicht consume)! Ein Erfolgsfaktor für die Verwendung von Tablets durch estnische Lehrer war es, durch das größtmögliche Eliminieren von Passwortschutz die Handhabung zu erleichtern. Und schließlich: Die Gruppe der „Verweigerer“ (von Neuem, Technik, etc.) hat eine wichtige Funktion: sie stellt gute Fragen, sie bringt Ruhe in die Sache. Zuletzt: Emotions are important!

Wildner_bunte_Stühle_kl.jpgTag 3. Eigentlich hatte ich das nicht mehr erwartet, aber nun befinden wir uns in einem Raum, der schon eher nach einer guten Lernatmosphäre aussieht: bunte Drehstühle mit Ablage, die man beliebig für PA oder GA zusammenschieben kann (oder mit denen man Scooter spielen und durch den Raum gleiten kann, was durch den Spaß dabei ebenso lernförderlich wirkt), Platz, eine Bibliothek, ein mit der Hand beschreibbares Whiteboard, WLAN. Und methodisch zum ersten Mal tatsächlich: Gruppenarbeit. Die bunten Drehstühle sind übrigens aus einem EU-Projekt finanziert, natürlich. Viele Erkenntnisse dieser Woche ergeben sich aus den unzähligen Gesprächen innerhalb der Gruppe, die am Rande des Seminars, beim Frühstück, während der Busfahrten oder bis spätabends stattfinden und nicht selten die Seminarinhalte aus unterschiedlichen Perspektiven fortschreiben.

Wildner_runde_Bühne_kl.jpgTag 4. Das gesamte Seminar besteht aus der Präsentation einzelner Tools für den Unterricht. Und Tools gibt es natürlich für alles Mögliche, das man aus der analogen Welt bereits kennt oder eben nicht: Feedback und Voting, E-Portfolio, Video-Tutorials, Virtuelle Tafeln, Gruppenaufteilung, Rallye, Mindmap, Aufgaben- und AB-Generator, QR-Codes, interaktive Übungen mit Autokorrektur, Quizes. Leider gibt es kaum Zeit und Raum für den Transfer in den eigenen Arbeitskontext und das Herausarbeiten, welche Tools welchen didaktischen Mehrwert für Lehrende und Lernende bringen. Die erwähnte Metapher vom Digitalen als Gewürz, das man sparsam und gezielt einsetzen müsse, ist zwar richtig, jedoch im Endeffekt nur wenig hilfreich. Sie greift zu kurz. Etwas anderes nehme ich mit, nicht neu, aber wieder darauf gestoßen: die Idee von Micro-Fortbildungen ("DigiMinutes"), die man als Teilnehmender im Alltagsstress gut einbauen kann. Möglicherweise etwas für die Kolleg*innen zu Hause? Unsere Trainerin erzählt uns, dass sie bald in einem neuen Projekt arbeiten wird: Der Staat unterstützt eine Initiative der beruflichen Schulen, die gemeinsam digitales Lernmaterial erarbeiten, indem sie gemeinsam abgestimmte Themen für die Erarbeitung über das ganze Land verteilen, um es am Ende allen zur Verfügung zu stellen. Ein Modell für die deutschen Volkshochschulen? Die Etablierung einer zentral koordinierenden beim dvv angesiedelten Serviceagentur in diesem Sinne, wie sie auch in der Digitalstrategie des bvv angedeutet ist, wäre sicherlich ein erster Schritt.

Tag 5. Der spannende Abschluss mit Besuchen bei INNOVE und dem IT College der Uni Tallinn gerät fast zu kurz. Hier lässt sich beobachten, was passiert, wenn ein Land die Digitalisierung schon seit vielen Jahren vorantreibt: Man schaut genauer hin, wo Digitalisierung hilfreich ist und wo nicht. Und manchmal heißt es dann: vor Mathe hilft am besten ein wenig Achtsamkeitsmeditation! Am IT College gibt eine Person, die sich darum kümmert, dass technisch im Unterrichtsraum alles klappt; will man z.B. seinen Unterricht Wildner_Bienenwabe_kl.jpgmit Präsentation aufzeichnen lassen und den Studierenden über einen Link zur Verfügung stellen, gibt man kurz Bescheid und es heißt: Kein Problem, ich kümmere mich darum, dass alles klappt. Und es klappt. Wenn ein vhs-Kursleiter in seiner Volkshochschule eine solche Frage stellt, erntet er mit Glück ein müdes Lächeln. Solange das noch so ist, müssen wir uns um die Zukunft des Lernens in Deutschland Sorgen machen. Eher am Rande formuliert ein Vertreter des IT College eine Idee, die bestechend logisch erscheint: Warum soll man öffentlich finanzierte Bildungseinrichtungen nicht mehr in die Pflicht nehmen, ihre Bildungsangebote durch z.B. eine Öffnung über MOOCs etc. einem breiten Publikum kostenfrei zugänglich zu machen, wo dieses breite Publikum das Ganze doch auch über Steuergelder finanziert! Den Volkshochschulen stünde das gut an und digitales Lernen kann hier Einiges möglich machen.

An diesem Punkt begann die Sache richtig spannend zu werden. Doch genau in diesem Moment räusperte sich unser Lern-Reise-(Beg)leiter Rainer: „I’m verry sorry to interrupt you, but I think we have to go quickly to the minibuses now …” Nägemist, Eesti – ja aitäh!

Tobias Wildner